Hinweis: Wenn Sie nicht nur diesen Bericht lesen, sondern auch die Bilder sehen wollen, klicken Sie hier.
Wer in diesen Tagen in unsere Pfarrkirche kommt, muss auf den vertrauten Blick verzichten: Der Hochaltar ist verdeckt durch ein 2,00 x 2,40 m großes Bild aus hellem Nessel mit zwei senkrechten, dunkelblauen Balken. Ähnlich ist es in St. Jacobus, wo vor dem Seitenaltar ein blaues Bild mit goldfarbener Struktur hängt. Neue Bilder findet man auch in St. Suitbertus und in Herz Jesu, ebenso auch in der Ev. Stadtkirche, der Emmauskirche und der Homberger Christuskirche.
Der Anblick ist ungewohnt – aber das soll auch so sein, denn die Bilder sollen die „ungewohnte“ Fastenzeit, oder wie man heute meist sagt: die österliche Bußzeit „augenfällig“ machen. In dieser Zeit ist nichts „wie immer“: die Tage zwischen Aschermittwoch und Ostern haben ein besonderes Gesicht, die Kirche hat ein besonderes Aussehen, die Farbe der Liturgie wechselt vom Grün zum Violett – und nicht zuletzt der Betrachter soll nicht so bleiben „wie immer“: Auch er soll ein anderer werden: Die Fastenzeit ist ein Anstoß zur Neuorientierung, zur Rückbesinnung auf das, was wirklich trägt und was das Leben ausmacht.
Die Bilder in den Ratinger Kirchen – acht sind es insgesamt – kreisen alle um das Thema „Gebet“; sie stammen von Marie-Madeleine Bellenger, Annedore Giertz, Antonio Máro, Rafael Ramirez, Christiane Vincent-Poppen, Anna Schriever und Andrea Weyergraf-Hahn. Die beiden letztgenannten Künstlerinnen wohnen in Ratingen; Andrea Weyergraf-Hahn, die unserem Pfarrgemeinderat angehört, hat bei der Auswahl der Bilder und der Organisation der Ausstellung mitgewirkt. Bevor die Bilder nach Ratingen kamen, waren sie bereits in verschiedenen Städten des deutsch-belgisch-niederländischen Grenzgebiets zu sehen; sie sind nämlich Teil einer umfassenderen Ausstellung zum Thema „Das Gebet“, die von Prof. Dr. Dieter Boeminghaus initiiert wurde.
So verstehen sich die Bilder als Einladung zum Gebet. Die Vielfalt der Bilder und Motive gibt einen Hinweis auf die Vielfalt der Gebetsformen, die – wie auch immer sie praktiziert werden – das Ziel haben, sich dem Größeren, dem Vertrauten und zugleich Immer-Neu-Unbekannten, Gott selber, zuzuwenden.
In Rom kennt man seit der Spätantike die „Sieben-Kirchen-Wallfahrt“; zeitweise zogen zu Beginn der Fastenzeit riesige Menschenmengen von Kirche zu Kirche. Sieben Kirchen sind es in Ratingen, in denen von Aschermittwoch bis Karfreitag ein Bild zu betrachten ist. Vielleicht könnte es ein persönliches Ziel sein, in der Zeit bis zum Osterfest alle Kirchen einmal aufzusuchen, sich auf das Bild und dessen Einladung zum Gebet einzulassen?
Nicht zuletzt ist die diesjährige Kunstaktion ein Zeichen der ökumenischen Verbundenheit: evangelische und katholische Kirchen laden gleichermaßen zum Gebet ein. Und beten kann der Katholik nicht nur in „seiner“, sondern auch ein einer evangelischen Kirche, und ein evangelischer Christ in einer katholischen – und alle beten zum selben Gott.
An zwei Terminen können Sie eine Einführung in die Kunstaktion erhalten:
Montag, 1. März, 19.00 Uhr: Beginn in St. Jacobus, Fortsetzung in der Christuskirche Mittwoch, 3. März, 19.00 Uhr: Beginn in St. Peter und Paul, Fortsetzung in der Ev. Stadtkirche
Die Namen der Künstler/innen und ihre Bilder, die Ausstellungskirchen und Öffnungszeiten sind:
Marie-Madeleine Bellenger, „Deine Arbeit ist ein Gebet“: St. Peter und Paul (tägl. 08.30-18.00 Uhr) Marie-Madeleine Bellenger, „Gebet immer weiter“: Ev. Stadtkirche (Mo-Sa 10.00-16.00 Uh)r Anna Schriever, „Dankgebet“: St. Suitbertus (tägl. 08.30-18.00 Uhr) Antonio Máro, „Stilles Gebet“: Emmauskirche (Mo-Fr 08.00-12.30 Uhr) Rafael Ramirez, „Ich habe genug“: Herz Jesu (Di-Sa 10.00-17.00 Uhr, So 11.00-17.00 Uhr) Andrea Weyergraf-Hahn, „Betet ohne Unterlass“: St. Jacobus d. Ä. (tägl. 09.00-17.00 Uhr) Annedore Giertz, „ Getragensein“ und Christiane Vincent-Poppen, „Mein rotes Gebet“: Christuskirche Homberg (So-Fr 10.00-17.00 Uhr)
Mehr zum Ausstellungsprojekt „Das Gebet“ finden Sie unter www.dasgebet.eu . Fotos der ausgestellten Bilder in den sieben Kirchen unserer Stadt werden Sie wenige Tage nach Beginn der Aktion an dieser Stelle finden.
Josef Pietron
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